Zu den auf dem Markt befindlichen nanotechnologischen Produkten zählen beschichtete Textilien, veredelte Oberflächen, Kosmetikprodukte oder Wundverbände.
In die Nano-Forschung fliesst ein beachtlicher Teil der öffentlichen Fördergelder. Im 7. Forschungsrahmenprogramm der EU (von 2007 bis 2013) beispielsweise sind für Nanotechnologie dreieinhalb Milliarden Euro vorgesehen, fast doppelt soviel wie für Umwelt- und Klimaforschung. Schweizer Institute und WissenschaftlerInnen sind mit mehreren Projekten an diesem Programm beteiligt.
Der Basler Appell gegen Gentechnologie beschränkt sich bei der Betrachtung der Nanotechnologie auf Projekte, die Verbindungen zur Gentechnologie haben und vor allem im medizinischen Bereich Anwendung finden, ein Bereich, der in der Öffentlichkeit bisher kaum beachtet wird.
Doch gerade mit dem Einsatz der Nanotechnologie in der Medizin werden grosse Hoffnungen verbunden. Für eine erste Krebstherapie wird zur Zeit die Zulassung beantragt. Bildgebende Verfahren zur Diagnose sind in der Erprobung. Neue Oberflächenbeschichtungen für Implantate und Prothesen oder neue Materialien in der Dentaltechnik könnten die Verträglichkeit von Medizinprodukten und deren Haltbarkeit verbessern. Für die Wundheilung macht man sich die antibakterielle Wirkung von Nanosilber zu nutze. Von Nanotransportsystemen und kleinsten Diagnoseeinheiten verspricht man sich revolutionäre Umwälzungen.
Anwendungsbeispiele im medizinischen Bereich sind sogenannte Nanofähren, also Mini-Transportsysteme, die einen Wirkstoff direkt an eine bestimmte Stelle im Körper bringen sollen. Die Grenzen zwischen Gentechnologie und Nanotechnologie sind hier fliessend: Durch den Einsatz neuer Materialien verspricht man sich endlich Fortschritte bei der Gentherapie.
Das Hyperthermieverfahren soll Heilerfolge bei Krebs bringen: winzige Partikel aus Eisenoxid werden in den Tumor eingebracht und von aussen mit einem Wechselmagnetfeld in Schwingung versetzt. Dadurch kommt es zu einer Erhitzung des Tumors. Dies soll die Tumorzellen für eine Chemo- oder Strahlentherapie sensibilisieren.
Mit kleinsten mobilen Diagnoseeinheiten (Lab-on-a-chip) verspricht man sich in kürzester Zeit eine Reihe von Messresultaten mit einem Minimum an Reagenzien. So sollen Schnelltests in Arztpraxen, aber auch zu Hause möglich sein.
Schon 2003 warnte die TA-Swiss, dass mit der Nanomedizin die Tendenz zum gläsernen Bürger und die Missbrauchsrisiken zunehmen werden. Nanopartikeln wird ein hohes Risikopotenzial unterstellt. Langzeitstudien liegen noch nicht vor. So sind etwa die Messtechniken nicht auf die neuen Materialien abgestimmt.
Man weiss heute, dass der massenhafte Einsatz von Silberpartikeln zur Sensibilisierung des Immunsystems führen kann. Nanosilber wird bereits als das neue Asbest bezeichnet.
Nutzen-Risiken-Analysen zu Nano-Transportsystemen legen nahe, Nanomaterialien wie Fullerene und Kohlenstoffröhrchen aus Sicherheitsgründen vorerst nicht einzusetzen. Kohlenstoff-Nanoröhrchen wurden noch nicht ausreichend untersucht. Einige Studien zeigen die Gefahr von chronischen Entzündungen, vor allem in der Lunge. Schäden an anderen Geweben oder Organen werden nicht ausgeschlossen. Nano-Partikel werden eingeatmet, können aber auch durch die Nase bis ins Gehirn vordringen. Es wurde gezeigt, dass Nanopartikel in den fötalen Blutkreislauf gelangen können.
Der Basler Appell gegen Gentechnologie fordert Bund und Parteien auf, eine transparente Debatte ins Leben zu rufen. Es reicht nicht aus, bloss einen möglichen Nutzen der Nanotechnologie zu propagieren und so für Akzeptanz in der Gesellschaft zu sorgen. Die Debatte muss jetzt stattfinden, nicht erst, wenn die Technologie breit eingesetzt wird.
Es gibt bisher kaum Regelwerke, die die Nanotechnologie explizit umfassen. Die vielen Produkte, die sich bereits auf dem Markt befinden, sind nicht gekennzeichnet. Die VerbraucherInnen können meist nicht erkennen, ob Nanomaterialien enthalten sind. So ist eine Wahlmöglichkeit nicht gegeben.
Auch die Schweiz investiert hohe Summen an öffentlichen Fördergeldern in die Nanotechnolgie. Das nationale Forschungsprogramm nfp64 ist mit zwölf Millionen Franken dotiert. In der Patentanmeldung für nanotechnologische Verfahren nimmt die Schweiz einen vorderen Rang ein. Mehrere Organisationen, vor allem im Bereich der Nanomedizin, haben ihren Sitz in der Schweiz, etwa die Europäische Stiftung für klinische Nanomedizin.
Auf der Ebene der Gesetzgebung tut man sich hier - wie auch in anderen Ländern - noch schwer. Es liegt keine explizite Regulierung für Nanotechnologie vor. Bisher hat man dies unter anderem damit begründet, dass es keine einheitliche Definition für Nanomaterialien gäbe. Allerdings hat die EU-Kommission nun eine Definition vorgelegt, die für eine Vereinfachung auch für eine Gesetzgebung hierzulande sorgen könnte.
Vom Bund liegt ein Aktionsplan Synthetische Nanomaterialien vor. Dort misst man möglichen Sicherheitsrisiken und Auswirken synthetischer Nanopartikel auf die Gesundheit und Umwelt eine erhöhte Priorität zu. Von einer Regelung der Nanotechnologie mit einem eigenen Gesetz will man aber vorläufig absehen. Auch gibt es keine Deklarationspflicht für Nanomaterialien. Die Schweiz will hier keine Vorreiterrolle einnehmen, sondern nur die Entwicklung in der EU beobachten. Es existiert weder in der EU noch in der Schweiz ein Register, das die Produkte, die mit Nanotechnologie hergestellt sind, auflistet.
Der Basler Appell gegen Gentechnologie sieht hier einen dringenden Handlungsbedarf. Wir fordern als Sofortmassnahme eine Deklarationspflicht für Nanomaterialien, ein nationales Register für Produkte, die synthetische Nanomaterialien bzw. Nanopartikel enthalten. Ausserdem braucht es dringend die Aufklärung der Bevölkerung über mögliche gesundheitliche Risiken von Nanomaterialien. Eine abschliessende Risikobeurteilung liegt nicht vor, da die wissenschaftlichen und methodischen Grundlagen nicht ausreichend sind. Bis zur Klärung sicherheitsrelevanter Fragen müsste daher ein Moratorium gelten.

Es kommt uns alles sehr bekannt vor: Auch die Gentechnologie wurde vor gut 30 Jahren als Schlüsseltechnologie gepriesen, die Wunder vollbringen sollte. Landwirtschaftliche Erträge sollten sich vervielfachen, Hungerprobleme bekämpft werden. Und grosse Herausforderungen in der Medizin wie etwa Krebs sollten elegant und schnell besiegt werden. Inzwischen hat sich Ernüchterung breit gemacht. Die Risiken der damals neuen Technologie sind noch immer unzureichend erforscht. Die Revolution in der Landwirtschaft ist ausgeblieben. Und es ist ruhig geworden um hochgejubelte medizinische Verfahren wie die Gentherapie. Es ist zu vermuten, dass der Mensch auch mit Hilfe der Nanotechnologie keine Wunder vollbringen wird. Trotzdem investiert die öffentliche Hand enorme Summen in die Erforschung der Kleinstteilchen. Die Wirtschaft treibt deren Einsatz in der Praxis bereits heute mit grossen Schritten voran. Eine Risikobewertung hingegen ist häufig oberflächlich oder inexistent. Ebenso fehlt es an Transparenz: Vielerorts werden Nanopartikel eingesetzt, ohne dass KonsumentInnen und PatientInnen informiert sind.
Dem Basler Appell gegen Gentechnologie ist es deshalb ein Anliegen, die Nanotechnologie zu hinterfragen. In dieser Broschüre beschränken wir uns auf Projekte, die Verbindungen zur Gentechnologie haben. Doch nur schon in diesem Teilbereich gibt es genügend offene Fragen, die eine breite Diskussion der Nanotechnologie verlangen.
Vorstand Basler Appell gegen Gentechnologie
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