16. Mai 2012
Positives Signal: Bundesrat für Moratoriumsverlängerung!
Vor einigen Tagen hat der Bundesrat seine Stellungnahme zur Motion Ritter veröffentlicht: Auch der Bundesrat empfiehlt, das noch bis zum November 2013 geltende Moratorium, das die Verwendung von GVO in der Schweizer Landwirtschaft verbietet, weiter zu verlängern. Dem Parlament soll ausreichend Gelegenheit gegeben werden, die Ergebnisse aus dem Forschungsrahmenprogramm NFP 59 zu prüfen. Zur Zeit werden aber bereits Regelungen erarbeitet, die eine Koexistenz in der Schweiz zum Ziel haben. Auch diese Regelungen sollen durch das Parlament ausführlich geprüft werden. Der Basler Appell gegen Gentechnologie fordert ein umfassendes Anbau- und Verwendungsverbot für gentechnisch veränderte Organismen in der Schweiz. Eine Koexistenzregelung für die Schweizer Landwirtschaft halten wir für nicht durchführbar. Eine Moratoriumsverlängerung ist zwar zu begrüssen, bedeutet aber nur einen kleinen Aufschub. Deshalb sollten jetzt eindeutige Verbotsregelungen erarbeitet werden.
15. Mai 2012
Einspruch gegen Patent auf menschliche Spermazellen
Das deutsche Institut für unabhängige Folgenabschätzung in der Biotechologie «Testbiotech» hat gegen ein Patent der englischen Firma Ovasort (EP1263521) Einspruch eingelegt. Das Patent umfasst menschliche Spermazellen, die nach Geschlecht vorselektiert worden sind. Diese sollen im Rahmen der künstlichen Befruchtung verwendet werden, um weibliche Nachkommen zu erhalten. Das Patent verstößt gegen europäische Patentgesetze, die Patente auf Keimzellen und die Entwicklung des menschlichen Körpers verbieten. Trotz des Verbots hat das Europäische Patentamt in München (EPA) schon mehrfach derartige Patente erteilt. Testbiotech hat das Patent der Firma Ovasort in eine «Schwarze Liste Europäischer Patente» aufgenommen. Darin befindet sich auch ein Patent der Firma Merck-Serono auf die Verwendung menschlicher Eizellen, gegen das Testbiotech bereits 2009 Einspruch eingelegt hat. (www.testbiotech.org)
11. Mai 2012
EU Parlament stimmt gegen Patente auf Pflanzen und Tiere
Heute hat das Europäische Parlament das Europäische Patentamt aufgefordert, die Patentierung im Bereich der konventionellen Tier- und Pflanzenzucht zu beenden. Eine entsprechende Resolution, die von Abgeordneten mehrerer Parteien auf den Weg gebracht worden war, wurde mit grosse Mehrheit angenommen. Das Europäische Parlament folgt damit den Voten einiger nationaler Parlamente. So hat beispielsweise der Deutsche Bundestag bereits im Februar 2012 einen Stopp der Patentierung von Pflanzen und Tieren gefordert. Mehr Informationen auf der Webseite: www.no-patents-on-seeds.org
10. Mai 2012
EFSA: Fliegender Wechsel
Die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA gerät erneut in die Schlagzeilen: Die Vorsitzende des Verwaltungsrates, Diana Banati, ist von ihrem Amt zurückgetreten und wird statt dessen als Vorsitzende zum International Life Sciences Institute (ILSI) gehen, das von der Lebensmittel- und Agrochemieindustrie finanziert wird. Schon seit 2010 geriet sie in die Kritik und hat nur unter Druck ihren Posten bei ILSI ruhen lassen. Enge Beziehungen zur Industrie wurden nicht nur im Verwaltungsrat sondern auch in Expertengremien für Gentechnik, Zusatzstoffe und Pestizide nachgewiesen. Dass Böcke - in diesem Fall Ziegen - zu GärtnerInnen gemacht werden, scheint in EU-Gremien üblich zu sein: Gerade hat die EU-Kommission eine ehemalige Mitarbeiterin von Monsanto und derzeitige Cheflobbyistin der Lebensmittelindustrie als neues Verwaltungsmitglied vorgeschlagen.
9. Mai 2012
Qualitäts-Charta für die Schweiz: Verzicht auf Agro-Gentechnik
Bio-Suisse und weitere Beteiligte, wie Coop und Migros haben eine Charta unterzeichnet, die die Qualität der Schweizer Landwirtschaft sichern soll. Die Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft soll konkurrenzfähig bleiben und dies auch bei zunehmend offeneren Märkten und steigenden Importen. Hierfür braucht es eine klare Qualitätsstrategie, zu deren Unterstützung nun eine Charta erarbeitet wurde. Der Verzicht auf die Verwendung von gentechnisch veränderten Organismen ist ein zentraler Bestandteil der Charta. Weitere UnterstützerInnen werden aufgerufen, die Charta mitzutragen.
8. Mai 2012
Europa: Kaum noch Freilandversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen

Freisetzungen EU 2008-2012; Anzahl der von den Mitgliedstaaten gemeldeten Anträge (JRC, Joint Research Centre)
In Deutschland und Europa geht die Zahl der Freilandversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen weiter zurück. Bisher wurden für die Anbausaison 2012 bei der zuständigen EU-Behörde nur noch 41 Anträge für Freilandversuche gemeldet. Drei Viertel aller 2012 geplanten Versuche werden in Spanien stattfinden (30), die übrigen verteilen sich auf acht weitere Länder, darunter Schweden (3), Ungarn (2) und Deutschland (1). Frankreich und Italien bleiben wie im Vorjahr ohne gentechnisch veränderte Pflanzen im Freiland. Die meisten Freisetzungsanträge beziehen sich auf die drei Kulturarten Mais (14), Baumwolle (12) und Zuckerrübe (7). (www.transgen.de)
4. Mai 2012
Gentechnikfreies Soja ist gesünder
Ein konventioneller dänischer Schweine-Erzeuger berichtet, dass sich die Umstellung auf gentechnikfreies Soja auf den Gesundheitszustand seiner Tiere positiv ausgewirkt hat. Der ständige Durchfall bei den Ferkeln sei schlagartig verschwunden. Bei den Sauen habe es keine
Todesfälle aufgrund von Magen-Darm-Krankheiten mehr gegeben. Zuvor sei monatlich mindestens ein Tier daran gestorben. Auch würden die Sauen jetzt mehr Ferkel werfen, besser essen und ihre Jungen besser mit Milch versorgen. Er brauche nur noch die Hälfte an Medizin und habe 20 bis 30 Arbeitsstunden im Monat weniger, berichtete Ib Borup Pedersen. Er habe im April 2011 umgestellt, seither sei der beobachtete Trend stabil. Ein zweiter dänischer Farmer hat ähnliches beobachtet, sowohl bei Milchkühen als auch bei seinen Schweine. Das dänische Zentrum für Schweineproduktion will nun einen Fütterungsversuch durchführen und je 100 Schweine mit Gen-Soja bzw. gentechnikfreiem Soja im Futter mästen. (www.gmwatch.org)
2. Mai 2012
Bauer erstattet Strafanzeige gegen Syngenta
Dolly = Peng Peng
25. April 2012
Internetplattform zur Nanotechnologie
Der Bund hat eine neue Internetplattform zur Nanotechnologie freigeschaltet. Dort kann sich die interessierte Öffentlichkeit über Chancen und Risiken zur Nanotechnologie informieren. Die Seite ist Teil des Aktionsplanes Synthetische Nanomaterialien, der bis 2015 weitergeführt werden soll. Ziel des Planes ist laut Bund die Förderung und Weiterentwicklung der Nanotechnologie in der Schweiz. Der Basler Appell gegen Gentechnologie fordert, in gleichem Masse auch eine entsprechende Risikoforschung zu betreiben.
24. April 2012
Tagung zur «Grünen Ökonomie»
Unter dem Titel "Grüne Ökonomie - Chancen und Risiken für die Landwirtschaft" laden SWISSAID, Biovision und das CDE der Uni Bern am 23. Mai an die ETH ein. Wie und warum muss die Rio-Konferenz einen Umschwung in der globalen Landwirtschaftspolitik bewirken?

Was heisst Green Economy? Welche Rolle spielt dabei die Landwirtschaft? Wie und warum soll die Rio-Konferenz den Umschwung in der globalen Landwirtschaftspolitik bewirken? Im Hinblick auf die UN-Konferenz zu Nachhaltiger Entwicklung Rio+20 im Juni laden Biovision, das Centre for Development and Environment (CDE) der Universität Bern und SWISSAID unter dem Ko-Patronat der ETH-Institute für Integrative Biologie (IBZ) sowie dem World Food System Center zu einer Podiumsveranstaltung am 23. Mai 2012 an der ETH Zürich ein. Informationen und Anmeldung unter www.swissaid.ch
20. April 2012
7. Konferenz gentechnikfreier Regionen
Jetzt schon vormerken! Die 7. europäische Konferenz gentechnikfreier Regionen wird am 4. und 5. September in Brüssel stattfinden. Weitere Informationen, das aktuelle Programm und die Details bezüglich der Anmeldung können in Kürze auf der Website von GENET abgerufen werden. Auch Infos über die Konferenzen der letzten Jahre ebenso wie ein Verzeichnis aller europäischen genetchnikfreien Regionen sind dort verfügbar.
19. April 2012
Umweltpreis für Monsanto-Gegnerin
Sofia Gatica, eine argentinische Aktivistin, wurde mit dem Goldman Environmental Prize ausgezeichnet. Sofia Gatica kommt aus der Region Ituzaingo, deren Bewohner von Soja-Feldern umringt sind. Nach dem tragischen Tod ihrer Tochter gründete Gatica eine Initiative und fand heraus, dass die Krebsrate in ihrer Gemeinde 41-mal höher ist als der argentinische Durchschnitt. Der massive Einsatz des Monsanto Spritzmittels Roundup, das mit Flugzeugen grossflächig auf die Gen-Soja Felder versprüht wird, steht auch im Verdacht, neurologische Krankheiten hervorzurufen. Die Initiative konnte durchsetzen, dass das Sprühen im Umkreis von 2500 Metern von Wohnorten verboten wurde. Die argentinische Regierung hat eine Studie in Auftrag gegeben, die die Auswirkungen des Gifteinsatzes untersuchen soll. Hier ein Video mit Interview mit Sofia Gatica:
Die Europäische Lebensmittelbehörde räumt erstmals ein, dass sie Interessenskonfliken nicht ausreichend vorgebeugt hat. Als Konsequenz habe sie nun ihre internen Richtlinien überarbeitet. Im konkreten Fall geht es um Suzy Renckens, die von 2003 bis 2008 die Gentechnikabteilung der EFSA leitete. Diese ist für die Risikobewertung gentechnisch veränderter Pflanzen zuständig. Im Jahr 2008 wechselte Rencken direkt als Lobbyistin zur Syngenta. Testbiotech, eine deutsche NGO, schaltete daraufhin den Europäischen Ombudsmann ein. Die EFSA gibt nun in einem Brief erstmals Versäumnisse zu. Es geht aber noch um weitere Personen, die direkt in Interessenskonflikten stehen und mit Agrogentechnikkonzernen und der Lebensmittelindustrie kooperieren. Auch das Europäische Parlament zeigt sich zunehmend besorgt, wenn es um die Unabhängigkeit der EFSA geht. Weitere Informationen bei der Brüsseler Organisation Corporate Europe Observatory CEO.
12. April 2012
Wohl keine Entscheidung zum GVO-Recht im Juni
Die Frage der nationalen Anbauverbote wird voraussichtlich nicht auf der Tagesordnung des Umweltministerrats im Juni stehen. Damit schwindet die Möglichkeit, einen Kompromiss in der Gentechnikfrage in Europa herbeizuführen. Nachdem im Umweltministerrat im März die blockierende Minderheit mit Deutschland, Frankreich, Belgien und Großbritannien sich gegen den Kompromissvorschlag Dänemarks gestellt hat, wurde gehofft im Juni ein Übereinkommen zu finden. Dänemarks Vorschlag hätte es Mitgliedsstaaten ermöglicht den Anbau von GVO Pflanzen auf ihrem Territorium zu verbieten. Doch die EU Staaten sind sich weiterhin über den Anbau von GVO in Europa uneinig. (save our seeds, 12.4.12)
Gen-Soja: Widerstand in Paraguay
Der Film Raising Resistance produziert von Bettina Borgfeld und David Bernet erzählt vom Kampf der Kleinbauern Paraguays gegen die immer grösser werdende Übermacht der Gen-Soja Multis. Die Konsequenzen und Folgen des Sojaanbaus werden aufgezeigt. Die Anbauflächen nehmen Jahr für Jahr zu. Die Kleinbauern müssen sich selbst helfen. Hier der Trailer zum Film:
10. April 2012
Halblegale Gentechnik in Polen
Der Handel mit GMO-Mais oder -Kartoffeln ist in Polen zwar offiziell verboten, doch gibt es kein Anbauverbot. Polnische Bauern kaufen daher das GMO-Saatgut im Ausland, beispielsweise in Tschechien oder Spanien, und säen es dann aus. Obwohl die Mehrheit der polnischen Bevölkerung gegen genmanipulierte Lebensmittel ist, hat es die Regierung Polens bislang versäumt, ein wirksames Schutzgesetz oder ein völliges Verbot auf Gesetzeswege durchzusetzen. Im Rahmen einer Demonstration von Umweltschützern in Warschau wurde die Firma KWS Polska angezeigt, eine Tochter der niedersächsischen KWS Saar AG. Es bestehe der Verdacht auf Anstiftung zum illegalen Ausbringen von gentechnisch verändertem Saatgut, informierte man auf einer Pressekonferenz. In einer Broschüre der Firma finden Bauern Hinweise darauf, wie groß der Abstand zwischen Genmaisfeldern und Feldern mit konventionell angebautem Mais sein sollte und worauf sie achten müssen, wenn sie ihre Tiere mit dem Mais mästen. Polens Umweltschützer fordern nun das vollständige Verbot von gentechnisch veränderten Lebensmitteln. Mehr als 40.000 Polen haben den Appell an die Regierung in Warschau bereits unterschrieben. (taz, 10.4.2012)
4. April 2012
Gentechnik im Pferdestall
Das Umweltinstitut München hat aus gegebenem Anlass ein Video veröffentlicht, das die Gefahren thematisiert, die mit dem geplanten Einsatz eines gentechnisch veränderten Lebendimpfstoffes für Pferde einhergehen. Zwar war der Einsatz im Gestüt Schockemöhle bereits für März festgesetzt, bisher haben die zuständigen Behörden aber noch keine Genehmigung erteilt.
4. April 2012
Immer mehr Patente auf konventionelle Züchtung
Die Koalition «Keine Patente auf Saatgut» hat einen aktuellen Report veröffentlicht, der aufzeigt, dass das Europäische Patentamt immer mehr Patente auf konventionelle Züchtung erteilt. Aufgelistet werden die 2011 gewährten Patente auf Sonnenblumen, Melonen, Gurken, Reis und Weizen. Der Report erläutert die Gefahren der jetzigen Patentvergabepraxis: Obwohl die höchste Gerichtsinstanz am Europäischen Patentamt im Jahr 2010 das Verbot der Patentierung von konventioneller Züchtung bestätigt hat, werden derartige Patente immer noch vergeben. Rechtliche Lücken werden von der Industrie systematisch dafür genutzt, Patente auf Saatgut, Pflanzen und sogar auf die Ernte und Lebensmittel zu erlangen. «Diese Patente blockieren den Zugang zur biologischen Vielfalt, behindern die Züchtung und schaffen neue Abhängigkeiten», so Christoph Then, einer der Sprecher der Koalition.
2. April 2012
Millionen für virtuelles Menschenhirn
Der Neurowissenschaftler Henry Markram von der ETH-Zürich hat zusammen mit anderen europäischen Wissenschaftlern das Human Brain Project aus der Taufe gehoben. Nun hofft man auf eine Milliarde Euro Fördergelder. 2023 soll ein virtuelles Menschenhirn fertig sein. Allerdings bleibt unklar, inwieweit die komplizierten Prozesse im menschlichen Gehirn überhaupt verstanden sind. Vergleicht man die Fördersummen, die gleichzeitig an Projekte für Public Health oder Klimaforschung gehen, die gesellschaftlich hoch relevant sind, so darf die Förderpolitik doch in Frage gestellt werden. Selbst Hirnforscher an der ETH-Zürich kritisieren das vollmundige Vorhaben und bezweifeln, dass es Sinn macht, hunderte von Millionen für ein Projekt auszugeben, das ins Blaue schiesst.(www.spiegelonline.de)
29. März 2012
Widerstand in Grossbritannien
Die englische Supermarktkette Morrison's verlangt von ihren Geflügel-Lieferanten zukünftig keinen Nachweis mehr, dass bei der Fütterung gentechnikfreies Futter verwendet wurde. Die Aktionsgruppe GM-Freezes ruft nun die KonsumentInnen zum Widerstand auf. Auch gegen die Freisetzung von gv-Weizen werden britische NGOs aktiv. In Herfordshire soll gv-Weizen freigesetzt werden, der Schädlinge mittels Pheromonen abwehrt. Nähere Informationen auf den Seiten von GM Freezes.
26. März 2012
Neue Superschädlinge auf dem Acker?
Neue Forschungsergebnisse belegen die Ausbreitung von giftresistenten Wurzelbohrern in Regionen, in denen der gentechnisch veränderte Mais MON88017 der Firma Monsanto angebaut wird. Derzeit wird darüber beraten, ob der Gentech-Mais auch in der EU angebaut werden darf. «Die aktuelle Veröffentlichung aus den USA zeigt eine neue Dimension bei der Entwicklung resistenter Fraßinsekten. Es ist bereits bekannt, dass sich der Wurzelbohrer an den Anbau von insektengiftigem Mais anpassen kann. Jetzt sieht es aber danach aus, als ob die angepassten Schädlinge gleichzeitig eine höhere Fitness aufweisen und sich so noch rascher ausbreiten können. Wir raten dringend davon ab, diesen Mais für den Anbau zuzulassen», sagt Christoph Then von Testbiotech. Die Anpassung der Schadinsekten ist nicht das einzige Problem. Dieser Mais produziert nicht nur ein Insektengift, sondern widersteht zudem dem Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat (bekannt als Roundup). Aktuelle Untersuchungen aus den USA zeigen, dass der großflächige Anbau von herbizidresistenten Pflanzen eine wesentliche Ursache für den Rückgang der Population des Monarchfalters ist. (Dossier Testbiotech)
21. März 2012
Kind nach Mass
Ein neuer vorgeburtlicher Test soll ab Frühsommer 2012 auch in der Schweiz Ungeborene mit Trisomie 21 (Down-Syndrom) herausfiltern. Ab dem zweiten Monat ist kindliches Zellmaterial im Blutkreislauf der schwangeren Frau festzustellen. Mit dem Bluttest werden die DNA-Fragmente herausgefiltert und untersucht. Ein Röhrchen Blut der Schwangeren soll Aufschluss darüber geben, ob das Ungeborene an Trisomie 21 leidet. In den USA wird das Verfahren seit letztem Jahr angewandt. In der Schweiz soll der Test ab der zwölften Schwangerschaftswoche möglich sein. Kosten wird der sogenannte «Praenatest» etwa 1500 Franken, das Resultat liegt in zehn Tagen vor. Fachleute sind sich einig, dass mit dem Praenatest nicht nur nach Trisomien, sondern bald nach allen möglichen Eigenschaften und Anomalien gesucht werden wird. Auch die Bestimmung des Geschlechts oder der Augenfarbe wäre möglich. insieme Schweiz, die Dachorganisation für Menschen mit einer geistigen Behinderung, äussert grosse Bedenken, dass der gesellschaftliche Druck auf Schwangere steigen wird, bei positivem Befund einen Schwangerschaftsabbruch vorzunehmen.
21. März 2012
US-BürgerInnen fordern Kennzeichnung
18 US-Bundesstaaten wollen gegen den Widerstand der Industrie eine gesetzliche Kennzeichnungspflicht von gentechnisch veränderten Lebensmitteln und Inhaltsstoffen durchsetzen. Mehr als 400 Organisationen unter der Federführung des Center for Food Safety haben eine Petition für eine Kennzeichnung lanciert, die von 850.000 BürgerInnen unterzeichnet wurde. Unterstützt wird die Aktion inzwischen von 55 Kongressmitgliedern. Nach Angaben des Centers will eine überwältigende Mehrheit der US-BürgerInnen die Entscheidungsfreiheit, ob sie Produkte kaufen, die GVOs enthalten. Der Verband der Lebensmittelhersteller in den USA schätzt, dass GVOs in über 75 Prozent der Nahrungsmittel auf dem Markt enthalten sind. Dagegen formiert formiert sich zunehmend Widerstand. Organisationen wenden sich auch vermehrt gegen die Einflussnahme der Industrie, vor allem gegen Monsanto.
16. März 2012
Russland distanziert sich von Klonforscher
Die Erklärung von Hwang Woo Suk, mittels Gewebeproben aus dem russischen Jakutien endlich ein Mammut zu klonen, kam scheinbar etwas zu früh: Die dortige Akademie der Wissenschaften dementiert - der umstrittene Wissenschaftler bekommt keine Überreste der eiszeitlichen Elefanten. Man hätte zwar ein Abkommen unterzeichnet, dieses beziehe sich aber nicht auf die Überreste der ausgestorbenen eiszeitlichen Elefantenart, sagte ein Stellvertreter der Akademie der Wissenschaften. Hwang Woo Suk hatte angekündigt, Zellkerne aus sibirischem Mammutgewebe in Eizellen eines indischen Elefanten einsetzen zu wollen. Diese Eizellen sollten dann einer Elefantenkuh eingepflanzt werden, damit sie den Embryo austrägt. Der einst als Fälscher entlarvte Forscher Hwang Woo Suk versucht nicht zum ersten Mal, an Mammutgewebe zu kommen. Wie im Prozess gegen ihn im Jahr 2006 herauskam, hatte er Teile seiner Fördergelder an die russische Mafia weitergeleitet, damit diese die Gewebeproben beschafft. Hwang wurde von einem Gericht wegen Veruntreuung von Forschungsgeldern und illegaler Beschaffung von Eizellen verurteilt.(www.spiegelonline.de)
15. März 2012
Lobbyisten sitzen mit am Tisch
Passend zum 10. Geburtstag der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zeigt ein umfassender NGO-Report, dass trotz neuer Regeln zur wissenschaftlichen Unabhängigkeit solcher Gremien, der Einfluss der Industrie sehr gross ist. Es besteht also weiterhin grosser Handlungsbedarf. Die Studie zeigt, dass die EFSA ihre wissenschaftliche Expertise oft auf Industriedaten stützt. Experten der EFSA sind zugleich für Lobbyorganisationen der Lebensmittelindustrie, insbesondere für das International Life Science Institute (ILSI) tätig. In den letzten Jahren wurde wiederholt über Interessenskonflikte und enge Verbindungen zur Industrie berichtet. In diesem Jahr sollen mehrere Expertengruppen neu besetzt werden. Zugleich soll das Gründungsstatut der EFSA neu überarbeitet werden. Es böten sich also genug Chancen, etwas an der Verflechtung zwischen Prüfbehörden und der Industrie zu ändern. Dazu gibt es ein kurzes, erklärendes Video zur EFSA und den Verbindungen zur Industrie.
14. März 2012
Gen-Impfstoff für Wildtiere auf Spitzbergen?
Am 27. März 2012 findet in Oslo eine öffentliche Anhörung zur Frage des Einsatzes gentechnisch veränderter Impfstoffe statt. Organisiert wird die Veranstaltung vom Zentrum für Biosicherheit Genok und der norwegischen Kommission für Biotechnologie. Bei Füchsen und Rentieren auf Spitzbergen wurde Tollwut festgestellt. Die Krankheit ist bei Wildtieren nur schwer zu bekämpfen. In Norwegen stellt man nun die Frage, ob für diesen Fall ein genmanipulierter Impfstoff eingesetzt werden soll. WissenschaftlerInnen des Institutes Genok haben zur Risikoüberprüfung genetisch veränderter Impfstoffe einen Bericht veröffentlicht. Aus diesem geht unter anderem hervor, dass bei gentechnisch veränderten Impfstoffen bisher keine Risikoprüfung stattfand, die die Auswirkungen des Impfstoffes auf die Umwelt untersucht. Risikoprüfungen fokussieren bisher lediglich auf unerwünschte Nebenwirkungen bei den geimpften Tieren selbst.
10. März 2012
Gentech-Pflanzen: Nationale Anbauverbote längst üblich
EU-Mitgliedsstaaten dürfen den Anbau gentechnisch veränderte Pflanzen auf ihrem Gebiet auch weiterhin aus politischen oder sozioökonomischen Gründen nicht verbieten. Ein von Dänemark ausgehandelter Kompromiss erhielt gestern im EU-Ministerrat nicht die erforderliche qualifizierte Mehrheit. Mehrere Länder lehnen eine größeren nationalen Entscheidungsspielraum als nicht vereinbar mit den Binnenmarkt-Regeln und WTO-Verträgen ab. Doch die politische Praxis sieht längst anders aus: Zehn EU-Länder, darunter Deutschland und Frankreich haben nationale Verbote erlassen. Sie berufen sich dabei auf mögliche Gefahren für die Umwelt. (www.transgen.de)
06. März 2012
Einspruch wegen Nanotubes
Gegen die von der H. C. Starck geplante Anlage zur Produktion von Kohlenstoffnanoröhrchen hat der Gemeinderat von Laufenburg/Schweiz beim Regierungspräsidium Freiburg eine Einwendung eingereicht. Seit 2006 betreibt H. C. Starck im Werk Rhina eine Versuchsanlage zur Herstellung von Carbon Nanotubes. Dies sind winzige Röhrchen aus Kohlenstoff, bis zu 10 000-mal dünner als ein menschliches Haar, aber bis zu mehreren Zentimetern lang. Wegen ihrer außergewöhnlichen technischen Eigenschaften werden Carbon Nanotubes in immer mehr Produkten verwendet. Die H. C. Starck will deshalb ihre Versuchs- in eine reguläre Herstellungsanlage umwandeln und die Produktionskapazität von 60 auf 75 Tonnen erhöhen. Dagegen haben der Verein Lebenswerter Hochrhein und die Ökologische Ärzteinitiative Hochrhein Bedenken angemeldet. Sie verweisen auf Studien, in denen Nanotubes ähnliche Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit nachgesagt werden wie Asbest. (Der Südkurier)
02. März 2012
Herstellungsstopp für Grippevirus gefordert
Das Gen-ethische Netzwerk (GeN) in Berlin und Testbiotech (München) wandten sich mit einem offenen Brief an Angela Merkel. Sie fordern die Bundeskanzlerin auf, sich für einen Stopp der Herstellung von neuen Varianten des Vogelgrippevirus (H5N1) und eine Beschränkung des Zugangs zu den Genom-Daten einzusetzen. Wissenschaftlern ist es gelungen, im Labor eine Variante des Virus herzustellen, die für Säugetiere extrem gefährlich ist. Die Wissenschaftler haben am 20. Januar 2012 ein Moratorium für ihre Arbeit beschlossen, um der Öffentlichkeit die Gelegenheit zu geben, Stellung zu beziehen. Testbiotech und das GeN fordern nun die Kanzlerin auf, sich zu dem Thema zu äußern. Gleichzeitig soll eine breitere Diskussion in der Öffentlichkeit angeregt werden. Der Brief wird deswegen für weitere mögliche Unterzeichner bis Ende Juni online gestellt. Weitere Informationen unter www.testbiotech.de.
01. März 2012
Genmanipulierter Mais schädigt Marienkäferlarven
WissenschaftlerInnen der ETH Zürich konnten frühere Untersuchungen ihrer Kollegen bestätigen: Das von genmanipuliertem Mais (wie MON810) gebildte Bt-Toxin Cry1Ab tötet Marienkäferlarven! Die ForscherInnen um Angelika Hilbeck setzten sich auch mit einer Kampagne auseinander, mit der die Ergebnisse der Kollegen angefeindet worden waren. Sie wiesen nach, dass die von ihren Kritikern verwendeten Testverfahren ungeeignet waren. Bereits 2008 wurde festgestellt, dass Marienkäferlarven, die im Labor mit Futter gefüttert wurden, das Cry1Ab enthielt, durch das Gift getötet wurden. Diese Untersuchung war die Grundlage für das MON810 Anbauverbot 2009 in Deutschland. Nähere Informationen auf den Seiten von genfoodneindanke.
29. Februar 2012
NationalrätInnen für Moratoriumsverlängerung
Gestern haben 122 Nationalrätinnen und Nationalräte quer durch alle Fraktionen eine Motion unterzeichnet, die eine Verlängerung des Gentech-Moratoriums anstrebt. Das derzeit geltende Gentech-Moratorium, das den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in der Schweiz verhindert, läuft im November 2013 aus. Mit der Motion soll eine Verlängerung mindestens bis 2017 erreicht werden. Zwischen 2014 und 2017 soll der Anbau von GVO in der Schweizer Landwirtschaft dann im Rahmen der Agrarpolitik neu beurteilt werden. Der Basler Appell gegen Gentechnologie begrüsst den Vorstoss im Nationalrat. Es gibt nach wie vor einen grossen Widerstand in der Bevökerung und bei Schweizer Bauern gegen den Anbau von GVOs im Land, dies hat auch die Politik erkannt.
24. Februar 2012
Verändertes Fischverhalten durch Nanopartikel
Kunststoff-Nanopartikel können offenbar das Fressverhalten und den Fettstoffwechsel bei Fischen beeinflussen. Das wollen Forscher von der Lund Universität in Schweden nachgewiesen haben. Die Forscher verwendeten für ihre Studie 24 Nanometer große Polystyrol-Teilchen. Sie gaben die Partikel in eine Algenkultur und fütterten diese dann an Zooplankton. Nach einiger Zeit wurde das Zooplankton an Karauschen verfüttert. Eine Kontrollgruppe an Fischen erhielt die gleiche Menge an Nahrung, jedoch ohne Nanoteilchen. Die Menge des Futters war so knapp bemessen, dass die Fische abnehmen und ihre Fettreserven verbrauchen mussten. Innerhalb eines Monats bewegten sich die Tiere in der Testgruppe mit Nanofutter langsamer, hatten weniger Interesse am Plankton und brauchten länger zum Fressen. Die Fische in der Kontrollgruppe nahmen stetig ab, während die Tiere Nanogruppe zunächst Gewicht verloren, am Ende der Versuche aber wieder zunahmen. Die Wissenschaftler folgern daraus, dass die Nanoteilchen den Fettstoffwechsel und die Energiereserven beeinflussen. (Spiegel-online vom 24.2.2012)
23. Februar 2012
Frankreich will gv-Mais aus EU verbannen
Das französische Umweltministerium fordert die EU-Kommission auf, die Anbaubewilligung für Monsantos Bt-Mais MON810 zu überprüfen und zurückzunehmen. Das Ministerium beruft sich dabei auf die letzten wissenschaftlichen Studien, die dem genmanipulierten Mais erhebliche Risiken für die Umwelt und die Gesundheit zuschreiben.Wie Testbiotech berichtet, zeigen aktuelle Untersuchungen von Wissenschaftlern der Universität Caen, dass Bt-Toxine, die Insekten abtöten sollen, auch menschliche Zellen schädigen können. In den Experimenten hat ein Bt-Toxin, das auch im genveränderten Mais MON810 produziert wird, deutliche Schäden ausgelöst. Zur Zeit verbieten bereits sechs EU-Mitglieder Monsantos gv-Mais: Deutschland, Ungarn, Griechenland, Luxemburg, Österreich und Belgien. Sollte die EU-Kommission dem Antrag nicht nachkommen, so wird Frankreich MON810 auf Grundlage der Sicherheitsklausel, auf die sich auch die anderen sechs Länder berufen, verbieten. Eine aktuelle Umfrage hierzu ist noch bis zum 23. März 2012 geschaltet.
22. Februar 2012
Noch mehr Nanopartikel am Hochrhein
Bereits seit 2007 produziert BayerMaterialScience auf dem Gelände der Firma H.C. Starck am Hochrhein in Laufenburg (D), direkt an der Schweizer Grenze, Kohlenstoff-Nanoröhrchen. Diese Nano-Tubes sind winzige Röhrchen aus Kohlenstoff mit einem Durchmesser zwischen einem Fünf-Zehntausendstel eines menschlichen Haares. In Verbindung mit anderen Stoffen bewirken sie eine Verbesserung von deren Eigenschaften, beispielsweise der Stabilität. Verwendung finden sie in Lacken, Rotorblättern und diversen Sportgeräten. Bisher läuft der Betrieb als Versuchsanlage, eine spezielle Risikoprüfung fand nicht statt. Nun gibt es einen Antrag auf Ausweitung als Produktionsanlage für eine Jahresproduktion von 75 Tonnen. Vor dieser Ausweitung warnt nun neben anderen die «Ökologische Ärzteinitiative Hochrhein». Die Umweltmedizinierin Barbara Dohmen sieht in der Produktion und Verwendung von Nanotubes ein grosses Gefährdungspotential für die menschliche Gesundheit. Die winzigen Partikel könnten wie Asbestfasern über die Atemwege oder Haut in den Körper gelangen und dort Krebs oder Lungen- und Herzerkrankungen auslösen. Nähere Informationen auf den Seiten der BayerCoordination.
21. Februar 2012
USB-Stick sequenziert DNA in Sekunden
Das in Oxford ansässige Unternehmen Nanopore Technologies hat einen USB-Stick namens "MinION" entwickelt, der genetischen Code im Schnellverfahren sequenzieren kann. So soll er für die Entschlüsselung des Erbmaterials von Bakterien und Viren nur wenige Sekunden benötigen. Das Gerät lässt sich an handelsübliche Computer anstecken und könnte weitreichende Auswirkung auf die Genomforschung haben. Nanopore arbeitet nun an einer leistungsfähigeren, größeren Ausgabe des Geräts. Dieses trägt den Namen GridION und soll den Prozess noch schneller abwickeln und größere Genome verarbeiten können. Das derzeitige Limit liegt bei 10.000 Basenpaaren. MinION soll im Laufe des Jahres auf den Markt kommen und wird voraussichtlich 900 Dollar (aktuell rund 680 Euro) kosten. Die Entschlüsselung des menschlichen Erbguts soll damit schätzungsweise sechs Stunden in Anspruch nehmen.(www.pressestext.com)
16. Februar 2012
Aktion gegen genmanipulierte Luzerne in Kanada
Mit einem kleinen Film hat das Canadian Biotechnology Action Network zusammen mit einer Reihe von kanadischen Biofarmern eine Aktion gegen die Einführung von Monsantos herbizidtolerantem (Roundup Ready) Alfalfa (=Luzerne) gestartet. Der dreiminütige Spot zeigt die Bedeutung von Alfalfa für die bäuerlichen Familienbetriebe. Die letzten fünf Jahre ist es den Bauern gelungen, das GM-Alfalfa zu verhindern. Nun startet Monsanto einen neuen Versuch, die genmanipulierten Pflanzen auf den Markt zu bringen. Man fürchtet negative Auswirkungen auf die biologische und konventionelle Landwirtschaft. Da die Bestäubung in erster Linie durch Bienen und Hummeln erfolgt, wird eine Kontamination der Umwelt nicht verhindert werden können. Nähere Informationen bei CBAN.
15. Februar 2012
Synthetische Biologie: Forschung an Supervirus gestoppt
Niederländische Virologen haben das Vogelgrippe-Virus H5N1 so manipuliert, dass ein extrem gefährliches, besonders leicht übertragbares Grippevirus entstand. Mit dem Killer-Virus will der Virologe Ron Fouchier vom Erasmus Medical Center in Rotterdam herausfinden, welche Mutationen im Erbgut für die Extremen Ansteckungsraten verantwortlich sind. Die brisanten Forschungsergebnisse dürfen nun nicht in den entsprechenden Fachzeitschriften erscheinen. Das National Science Advisory Board for Biosecurity aus den USA hat eine Veröffentlichung aus Sicherheitsgründen verhindert. Noch in dieser Woche soll Fouchier der Weltgesundheitsorganisation WHO Rechenschaft über seine Forschung ablegen. Es bestehen Bedenken, dass die Super-Viren als Biowaffe eingesetzt werden könnten. Nun wird erneut eine Diskussion über Fragen der Biosicherheit angestossen. Weltweit wird in einem grossen Teil der Virenlabore mit hochgefährlichen Erregern hantiert. Die Gefahr, dass ein Virus aus Versehen freigesetzt wird, ist gross. (Der Spiegel Nr. 7 vom 13.2.2012)
13. Februar 2012
Urteil gegen Genkonzern
Es könnte ein wegweisendes Urteil sein: Das französische Landgericht in Lyon verurteilte den US-Konzern Monsanto zu einer Entschädigungszahlung an den Getreidebauern Paul François. Der 47 Jahre alte Landwirt leidet unter neurologischen Problemen, darunter Gedächtnisverlust, Kopfschmerzen und Stottern. Der Bauer hatte 2004 das Unkrautvernichtungsmittel Lasso eingeatmet und wirft Monsanto vor, nicht genügend vor Gefahren gewarnt zu haben. Monsanto, gleichzeitig Agrochemiekonzern und weltgrößter Saatguthersteller, zeigte sich enttäuscht von dem Urteil und schloss nicht aus, in Berufung zu gehen. Bisher sind Landwirte immer wieder mit Klagen gegen Hersteller von Schädlingsbekämpfungsmitteln gescheitert, weil kein direkter Zusammenhang zwischen Krankheit und dem Einsatz der Pestizide nachgewiesen werden konnte. (Spiegel-Online vom 13.2.2012)
12. Februar 2012
Nanopartikel verändern Eisenaufnahme im Darm
Die Erforschung möglicher Risiken und Nebenwirkungen von Nanopartikeln hinkt der Vermarktung der Produkte stark hinterher. Forscher um Michael L. Shuler von der Cornell University in Ithaca (US-Bundestaat New York) berichten nun im Fachblatt «Nature Nanotechnology», dass Nanopartikel aus einem bestimmten Kunststoff - durch den Mund aufgenommen - die Aufnahme von Eisen im Magen-Darm-System stören können. Der verwendete Kunststoff kommt beispielsweise in Lebensmittelverpackungen zum Einsatz. Nach Angaben der Wissenschaftler gilt der Stoff als ungiftig für den Körper. Die Forscher testeten die Partikel an Kulturen aus menschlichen Zellen, die den Darm auskleiden. Eine hohe Dosis der Nanoteilchen führte den Angaben zufolge an den Zellkulturen zu einem gesteigerten Eisentransport, weil die Zellmembran beeinflusst wurde. Bei Hühnern zeigten sich Unterschiede in der Eisenaufnahme, je nachdem ob sie über mehrere Wochen Nanopartikel gefüttert (chronisch) oder sie einmalig direkt in den Dünndarm verabreicht bekamen. Die Forscher betonen jedoch, dass weitere Studien notwendig sind, um Schlüsse zur Wirkung von Nanopartikeln ziehen zu können. (Spiegel-Online vom 12.2.2012)
10. Februar 2012
Biolandbau hat die Nase vorn
Nur ein verschwindend kleiner Anteil (0.1 Prozent) des in Europa kultivierten Ackerlandes wird mit gentechnisch veränderten Pflanzen bepflanzt. Ein weit grösserer Anteil (4 Prozent) entfällt zur Zeit auf den Biolandbau. Dies belegen Zahlen aus einem Bericht von Friends of the Earth Europe. Die Nutzung gentechnisch veränderter Pflanzen konzentrierte sich 2011 auf den Anbau von Bt-Mais MON810 in Spanien und Portugal. In Tschechien haben sich die Bt-Mais-Flächen kaum verändert. Kleinere Anbauversuche gibt es in Polen, Rumänien und der Slowakei. Dagegen ist in Deutschland, Frankreich und weiteren EU-Ländern der Anbau von MON810-Mais weiterhin verboten. Die 2010 zugelassene gv-Kartoffel Amflora beschränkt sich 2011 auf ein 20-Hektar-Feld in Schweden und 2 Hektar in Deutschland (www.transgen.de).
6. Februar 2012
EFSA bewertet genmanipulierte Tiere
Die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA hat Leitlinien veröffentlicht, mit deren Hilfe das Risiko von Lebensmitteln bewertet werden soll, die von oder aus genmanipulierten Tieren erzeugt wurden. Wie bei transgenen Pflanzen sollen auch bei genmanipulierten Tieren die Eigenschaften der Tiere mit konventionellen Gegenstücken gleicher Rasse verglichen werden. Dies gilt für die von solchen Tieren erzeugten Lebensmitteln. Nur wenn ein direkter Vergleich nicht möglich ist, soll eine umfassende Sicherheitsbewertung stattfinden. Zusätzlich sollen Aspekte der Tiergesundheit und des Tierschutzes einbezogen werden. Ethische und sozial-ökonomische Fragestellungen seien nicht Gegenstand der Leitlinie, schreiben deren Autoren. In einem offenen Brief an die Kommission haben zahlreiche europäische Bio-, Tierschutz-, Umwelt- und Bauernverbände das Vorgehen der EFSA und der Kommission als Auftraggeber gerügt. Sie fordern eine breite gesellschaftliche Debatte, ob solche Lebensmittel überhaupt zugelassen werden sollen.
3. Februar 2012
Genversuch auf Schockemöhle-Gestüt abgesagt
Ein auf dem Lewitz-Gestüt des ehemaligen Weltklasse-Springreiters Paul Schockemöhle geplanter Versuch, Fohlen mit einem gentechnisch veränderten Bakterium zu impfen, wird es nach Informationen des NDR Nordmagazins nicht geben. Der Leiter des Gestüts teilte mit, man werde aufgrund der heftigen Reaktionen auf das Experiment verzichten. Geplant war, Fohlen gegen Lungenentzündug zu impfen. In einem Quarantänestall sollten die Tiere anschließend beobachtet werden. Da der Stall zu einer Seite hin offen ist, hatten Anwohner und Umweltschützer angekündigt, gegen den Versuch vorzugehen. Sie fürchteten eine unkontrollierte Ausbreitung der Bakterien.
3. Februar 2012
Einspruch gegen Melonen-Patent
Die bekannte indische Aktivistin Vandana Shiva und die europäische Koalition «Keine Patente auf Saatgut» legen heute gemeinsam Einspruch ein gegen das europäische Patent EP1962578. Patentiert wurde eine natürlicherweise vorkommende Resistenz bei Melonen gegen ein pflanzenschädliches Virus. Die Melone, von der die Resistenz stammt, kommt ursprünglich aus Indien. Der US-Konzern Monsanto erhielt das Patent im Mai 2011 vom Europäischen Patentamt (EPA) in München. Die Kritiker weisen darauf hin, dass das Patent erteilt wurde, obwohl Patente auf konventionelle Züchtungen in Europa verboten sind. Ausserdem handle es sich bei diesem Patent um Biopiraterie - ein Vergehen, das Vandana Shiva und ihre Organisation Navdanya bewogen hat, diesen Einspruch zu unterstützen.
31. Januar 2012
Haut ohne Stammzellen in Hirnzellen verwandelt
Wissenschaftler der Stanford University School of Medicine haben bei Mäusen Hautzellen direkt in Zellen umgewandelt, die sich zu den Hauptbestandteilen des Gehirns entwickeln. Bei diesem Experiment wurde auf den Einsatz von Stammzellen in der Mitte dieses Vorgangs verzichtet. Der Einsatz von Stammzellen wurde immer wieder kontrovers diskutiert. Trotz ihres Potenzials für die Medizin bleibt eine der großen Fragen, wie sie gewonnen werden. Der Einsatz von embryonalen Stammzellen hat häufig zu ethischen Bedenken geführt. Zusätzlich müssten Patienten Immunsuppresiva einnehmen, da das so gewonnene Gewebe nicht ihrem eigenen entsprechen würde. Ein anderer Ansatz hat versucht, Hautzellen wieder zu induzierten Stammzellen umzuprogrammieren. Für die aktuelle Studie wurde eine andere Option gewählt. Die Hautzellen eines Menschen sollten sich direkt in spezialisierte Zellen verwandeln. Es ist bereits gelungen, Hautzellen direkt in Neuronen umzuformen. Dabei entstanden neurale Vorläuferzellen, die sich zu drei Arten von Gehirnzellen entwickeln können: Neuronen, Astrozyten und Oligodendrozyten. Diese Vorläufer haben den Vorteil, dass sie im Labor in großen Mengen hergestellt werden können.
27. Januar 2012
Erstes PID-Baby in Deutschland geboren
Bei der Präimplantationsdiagnsotik (PID) werden die bei einer küsntlichen Befruchtung hergestellten Embryonen auf Gendefekte hin untersucht, bevor sie in die Gebärmutter eingesetzt werden. Das Verfahren ist in der Schweiz zur Zeit noch verboten, in Deutschland hatte der Bundestag allerdings im vergangenen Sommer eine Lockerung der Gesetzgebung beschlossen.
In der Universitätsklinik in Lübeck ist nach Angaben von «Spiegel online» nun das erste Baby Deutschlands geboren worden, bei dem eine PID zum Ausschluss eines einzelnen Gendefekts durchgeführt wurde. Auch in München gebe es zur Zeit eine Schwangerschaft nach einer PID-Untersuchung wegen einer monogenetischen Erkrankung.
25. Januar 2012
Grossversuch mit genmanipuliertem Impfstoff geplant
Ab diesem Frühjahr will der Pharmahersteller Intervet in Ostdeutschland ein neues Freilandexperiment mit einem genmanipulierten Lebend-Impfstoff für Pferde durchführen. Der dreijährige Grossversuch soll auf einem Gestüt in Mecklenburg-Vorpommern an 240 Stuten und deren Fohlen durchgeführt werden. Eingesetzt würde der fertige Impfstoff nach seiner Zulassung durch die Europäische Arzneimittelagentur in Zuchtfabriken, in denen mehrere tausend Pferde auf engstem Raum gehalten werden.
Besonders brisant ist der Versuch, da sich immunschwache Menschen bereits mit dem ursprünglichen Bakterium infizieren können, so Anja Sobczac, Gentechnik-Expertin beim Umwelt-Institut in München. Die Folgen einer Erkrankung durch ein manipuliertes Bakterium sind nicht abzuschätzen. Auch die Folgen für Tiere und Umwelt sind unbekannt. Selbst der Hersteller räumt ein, dass die Auswirkungen auf die Umwelt nicht klar sind. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich ein neues, völlig unbekanntes Bakterium bildet.
23. Januar 2012
Erneutes Patent für Myriad Genetics
Myriad Genetics, eine der weltweit führenden Firmen im Bereich der medizinischen Diagnostik, hat sich ein weiteres menschliches Gen (RAD51C) patentieren lassen. Varianten des Gens werden mit erblichen Formen von Brust- und Eierstockkrebs in Verbindung gebracht - Myriad hofft nun, einen entsprechenden, kommerziell einsetzbaren Gentest entwickeln zu können. Das Unternehmen hält ausserdem Patente auf das sogenannte BRCA1- und das BRCA2-Gen, weitere Gene, die im Zusammenhang mit der Entsehung von Brustkrebs stehen. Auch hierzu vertreibt das Unternehmen die passenden Gentests. Allerdings ist nicht nur die Patentierung menschlicher Gensequenzen äusserst fragwürdig, sondern auch die Strategie von Myriad Genetics: Die Patente erlauben es dem Unternehmen, die Gentests zu total übrrissenen Preisen auf den Markt zu bringen. (Bionews vom 23.1.2012)
21. Januar 2012
Grossdemo in Berlin: Ein voller Erfolg!
23.000 Menschen zogen am 21. Januar 2012 vom Hauptbahnhof vor das Bundeskanzleramt in Berlin, ihr gemeinsames Motto: "Wir haben es satt!". Über 90 unterschiedliche Organisationen – Verbraucher, Umwelt- und Tierschützer, Imker, Bäuerinnen und Bauern – protestierten gegen Lebensmittelskandale, Gentechnik im Essen und Tierquälerei in Megaställen und für eine bäuerliche, ökologische und zukunftsfähige Landwirtschaft.
19. Januar 2012
Besserer Tierschutz EU-weit geplant
Die Europäische Kommission hat eine neue Strategie für ein umfassendes Tierschutzrecht in der EU verabschiedet. Damit soll auch verhindert werden, dass die Mitgliedstaaten, in denen laxe Vorschriften gelten, Wettbewerbsvorteile haben. Als Beispiel nannte der zuständige EU-Kommissar John Dalli die mangelnde Umsetzung des Verbots der Käfighaltung für Legehennen durch einige EU-Länder. Das habe deutlich gemacht, dass in verschiedenen Mitgliedstaaten nach wie vor Probleme beim Tierschutz bestünden, sagte Dalli am 19. Januar.
2006 verabschiedete die Kommission erstmals eine Tierschutzstrategie, den Aktionsplan der Gemeinschaft für den Schutz und das Wohlbefinden von Tieren 2006-2010. In der EU werden etwa zwei Milliarden Vögel (Hühner für die Fleischproduktion, Legehennen, Truthühner, Enten und Gänse) und 300 Millionen Säugetiere (Kühe, Schweine, Schafe) in landwirtschaftlichen Betrieben gehalten. Zudem gibt es schätzungsweise etwa 100 Millionen Hunde und Katzen.
16. Januar 2012
Demo am 21. Januar in Berlin:«Wir haben es satt!»
Im Rahmen der Kampagne «Meine Landwirtschaft» rufen über 90 Organisationen dazu auf, am 21. Januar für einen Systemwechsel in der Agrarpolitik in Berlin auf die Strasse zu gehen. Das Motto: «Wir haben es satt! Bauernhöfe statt Agrarindustrie». Der letzte Antibiotika-Skandal, zunehmende Hungerkatastrophen wegen nicht eingedämmter Spekulationen mit Lebensmitteln und alarmierendes Artensterben aufgrund der zunehmenden Monokulturen auf den Feldern zeigen deutlich die Risiken der industriellen Lebensmittelproduktion für Mensch, Tier und Umwelt auf. Nur eine bäuerlich-nachhaltige Landwirtschaft ist zukunftsfähig, ein Richtungswechsel der Agrarpolitik ist überfällig. Nur ein Systemwechsel in der Landwirtschaft kann Verbraucherschutz gewährleisten und die Herausforderungen des Klimaschutzes, der Hungerbekämpfung und des Artenrückgangs lösen. So zu lesen in der Pressemitteilung der Kampagne «Meine Landwirtschaft» vom 16.1.2012. Details zur Demo am 21.1.2012 wie die Anreise, das Programm und News sowie der Clip zur Demo finden sich hier.
15. Januar 2012
BASF verlegt Zentrale für güne Gentechnik in die USA
Trotz anhaltender Ablehnung der Europäer, allen voran der Deutschen, gegen genmanipulierte Lebensmittel investiert der Chemiegigant BASF jährlich 150 Millionen Euro in die Forschung für Gentechnik in der Landwirtschaft. Nun zieht der Konzern einem Bericht in der «Wirtschaftswoche» zufolge offenbar Konsequenzen und will die Zentrale der BASF Plant Science nach Amerika verlegen. Dies würde einen massiven Arbeitsplatzabbau in Deutschland mit sich bringen. Schon seit mehr als einem Jahr entwickelt der Konzern keine Pflanzen mehr ausschliesslich für den europäischen Markt. Intern soll nun auch die Zukunft der BASF-Genkartoffel Amflora zur Debatte stehen. Mehr als zehn Jahre lang hatte das Unternehmen bei der EU-Kommssion um die Zulassung gekämpft, bevor diese im März 2010 erteilt wurde. Allerdings erwies sich auch Amflora bisher als Flopp: Der durchschlagende Erfolg der Stärkekartoffel blieb aus, nach ersten unbeabsichtigten Vermischungen mit herkömmlichen Kartoffeln in Schweden hatte man den Anbau gestoppt.
12. Januar 2012
Genügend gentechnikfreie Soja auf dem Markt
Die Agro-Gentechniklobby behauptet, gentechnikfreie Futtermittel und vor allem Soja, würden immer knapper. Das brasilianische Zertifizierungsunternehmen Cert ID tritt dem jetzt entgegen und gibt an, dass die Menge an zertifiziert gentechnikfreiem Soja auf dem Markt nun im zwölften Jahr weiter stetig ansteige. Im Jahr 2011 wurden allein in Brasilien über 7 Mio Tonnen Sojabohnen als gentechnikfrei zertifiziert. Diese Bohnen stammen aus konventionellem gentechnikfreiem Anbau und enthalten keine Verunreinigungen. Das Unternehmen betont, dass Brasilien über Jahre hinaus in der Lage sei, die Nachfrage nach gentechnikfreiem Soja zu befriedigen. Nur ein Teil des gentechnikfreien Anbaus von Sojabohnen wird auch zertifiziert. Insgesamt kann man davon ausgehen, dass bis zu 30 Prozent der brasilianischen Sojaproduktion von 73 Mio Tonnen jährlich gentechnikfrei sind. Neben diesem Anteil in Brasilien produzieren Indien und China Soja komplett gentechnikfrei. Von einem Engpass kann also gar keine Rede sein.
12. Januar 2012
Geschenk für Monsanto - USA lässt neue Maissorte zu
Die USA haben den Anbau einer trockentoleranten Maissorte von Monsanto zugelassen. Monsanto hat für MON87460 bereits 2009 in Europa einen Antrag auf Zulassung gestellt, der aber noch offen ist. Der Mais enthält ein bakerielles Gen, mit dessen Hilfe die Zellen der Pflanze ein spezielles Kälte-Schock-Protein bilden. Dies soll bei Wassermangel dazu beitragen, wichtige Zellfunktionen aufrechtzuerhalten - das verspricht zumindest die Werbung von Monsanto. Der Mais ist in Zusammenarbeit von Monsanto und BASF entstanden.
Monsanto behauptet, dass der neue Mais in Trockenzeiten ohne zusätzliche Bewässerung bis zu zehn Prozent höhere Erträge liefere als konventionelle Sorten. Das US-Landwirtschaftsministerium widerspricht dem aber. Bei Feldversuchen der Behörde erreichte MON87460 nämlich nur vergleichbare Erträge wie konventionell gezüchtete Sorten. Die US-Wissenschaftlerorganisation Union of Concerned Scientists weist darauf hin, dass die klassische Züchtung trockentolerantes Saatgut schneller, günstiger und effektiver entwickelt hat. GMWatch hat einige dieser Zuchterfolge zusammengestellt. In den zehn Jahren, in denen die Agro-Genmultis vollmundige Versprechungen ablieferten, hat die gentechnikfreie Züchtung erfolgreiche eine Vielfalt trockentoleranter Nahrungspflanzen entwickelt, auch dürretolerante Maissorten, die bereits in zahlreichen Ländern verfügbar sind, die sich die betroffenen Bauern auch leisten können und von denen sie profitieren können. Bei Monsantos neuem Mais wird der Profit allein beim Konzern liegen. Nur wenige Bauern in den Ländern, die von der Dürre besonders bedroht sind, werden sich das Monsanto-Saatgut leisten können.
5. Januar 2012
gv-Insekten bald auch in Grossbritannien?
GeneWatch zufolge will die britische Firma Oxitec noch in diesem Jahr genmanipulierte Kohlmotten in Grossbritannien aussetzen. Den (männlichen) Insekten, die auch noch fluoreszierend gekennzeichnet werden sollen, wird ein letales Gen eingebaut, so dass sie nur kurz überleben können. Die mit der Wildpopulation gezeugten Nachkommen, sollen dann ebenso schnell zu Grunde gehen. Ziel ist es, so die Vorkommen der Insekten dauerhaft zu dezimieren. Gegen das Vorhaben hat sich jetzt aber heftiger Widerstand formiert, da die Auswirkungen nicht abschätzbar sind. Auf dem Agrarsektor arbeitet Oxitec auch eng mit Syngenta zusammen. Durch die zunehmenden Resistenzen bei gentechnisch veränderten Pflanzen, vor allem bei Bt-Mais, Soja und Baumwolle sucht man nach neuen Wegen, um der Insekten Herr zu werden.
Oxitec ist bereits 2010 negativ in Erscheinung getreten: Ohne die lokale Bevölkerung zu informieren, wurden einige Millionen genmanipulierter Denguemücken auf den Cayman Inseln ausgesetzt.
Widerstand ist auch aus den USA zu vernehmen: ein Projektstart in Key West, Florida wurde erst einmal verschoben, da die Zuständigkeiten nicht geklärt sind. Auch dort will Oxitec genmanipulierte Mücken aussetzen, die für ihr Weiterleben das Antibiotikum Tetracyclin benötigen. Friends of the Earth warnt vor nicht absehbaren Auswirkungen auf die Gesundheit und die Umwelt. Es fehlen wissenschaftliche Studien, die auch eine mögliche Destabilisierung der Ökosysteme durch die Freisetzung untersuchen.
4. Januar 2012
Moratorium: Keine GVOs in Peru
Noch im Dezember des alten Jahres hat die peruanische Regierung auf Druck von Umweltverbänden, Bauern und lokalen Lebensmittelproduzenten den Anbau von gentechnisch manipulierten Pflanzen durch ein Moratorium verboten. Das Moratorium hat eine Laufzeit von zehn Jahren. Das Anbauverbot ist ein wichtiger Schritt für die Bewahrung der Biodiversität im Land und schützt die lokale Landwirtschaft. Ein Verbot war lange Zeit umstritten in Regierungskreisen. Nun aber haben sich die Vertreter der Zivilgesellschaft und bäuerliche Organisationen durchgesetzt. Weitere Informationen finden sich beim Third World Network Biosafety Information Service.
EU-Kommission lässt neue Gentech-Pflanzen zu
Wie der Informationsdienst Gentechnik berichtet, hat die EU-Kommission vier neue gentechnisch veränderte Pflanzen für den EU-Markt zugelassen. Es handelt sich um eine Baumwollart und drei Maissorten, die für Lebens- und Futtermittel verwendet, aber nicht angebaut werden dürfen. Das Zulassungs-Verfahren verlief wie gewohnt: Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde hatte die Pflanzen für sicher erklärt. Die Mitgliedsländer konnten sich auf eine Zulassung nicht einigen, woraufhin der Kommission die Entscheidung überlassen wird. Diese sprach sich nun für die Zulassung aus. EU-Bürgerinnen und Bürger dürften dies überwiegend als bitteres Weihnachtsgeschenk ansehen. Denn die Mehrheit von ihnen spricht sich immer wieder gegen gentechnisch veränderte Pflanzen aus. Und die Lebensmittelindustrie reagiert: Immer mehr Hersteller achten mittlerweile auch beim Tierfutter auf gentechnikfreie Ware.
Genfood für norwegische Lachse
Die norwegische Lebensmittelbehörde genehmigt der Futtermittelindustrie die Verwendung 19 verschiedener Produkte, die gentechnisch veränderte Organismen enthalten, dazu gehören Soja, Raps und Mais. Zuchtlachse in Aquakulturen können dann mit GVOs gefüttert werden. Die Fischindustrie muss die Verbraucher nicht über die Verwendung gentechnisch manipulierter Organismen im Futter aufklären. Gekennzeichnet wird nur das Futtermittel. Terje Traavik, Professor für Gen-Ökologie an der Universität Tromsø (GenØk) und Mitglied der norwegischen Biotechnologiekommission warnt vor einer Anwendung, da bisher ungeklärt ist, ob GVOs im Futtermittel sich schädlich auf die menschliche Gesundheit oder die Umwelt auswirken. Die Verbraucher werden von norwegischen Umweltverbänden aufgerufen, Lachse aus Aufzuchtanlagen vom Speiseplan zu streichen. Hierfür gäbe es noch eine Reihe anderer, guter Gründe! Die Nachricht hat die norwegische Öffentlichkeit aufgerüttelt und es regt sich Widerstand gegen die schleichende Inverkehrbringung von GVOs über das Fischfutter. Nähere Informationen auf den norwegischen Seiten von GenØk, Zentrum für Biosicherheit, Universität Tromsø, Norwegen.
Genmanipulierter Raps entdeckt
Das Bundesamt für Umwelt BAFU baut ein Monitoringsystem auf, damit die Existenz von gentechnisch veränderten Pflanzen in der Umwelt frühzeitig erkannt werden kann. Zumindest das System dürfte funktionieren: bereits im Sommer hat das BAFU an einem Bahndamm in Lugano gentechnisch veränderte Rapspflanzen des US-Konzerns Monsanto gefunden. Eine Freisetzung von Gv-Raps ist weder in der EU noch in der Schweiz erlaubt. Auch für die Labors, in denen mit genmanipulierten Pflanzen hantiert wird, scheinen die Sicherheitsvorkehrungen nicht auszureichen. Rund um die Universitäten Basel, Lausanne und Zürich wurde einzelne genmanipulierte Pflanzen gefunden. Transportwege und Labors gelten als Unsicherheitsfaktor bei der Handhabung mit genetisch manipulierten Pflanzen. Der Basler Appell gegen Gentechnologie fordert den Gesetzgeber auf, konsequente Massnahmen zu ergreifen, um eine Ausbreitung genmanipulierter Pflanzen zu verhindern. Das Ziel kann nur eine gentechnikfreie Landwirtschaft sein.
Datenbank zu Risiken gentechnisch
veränderter Nutzpflanzen!
12. Dezember 2011
EKAH formuliert ethische Anforderungen
an gentechnisch manipulierte Pflanzen
6. Dezember 2011
BASF, Bayer, Dow, Monsanto, DuPont,
Syngenta: Menschenrechts-Tribunal
verurteilt die 6 grössten Pestizidhersteller
Im indischen Bangalore fand das Permanent Peoples´ Tribunal (PPT) zu Vergiftungen durch Pestizide statt. Mehr als 200 Betroffene und Umweltschützer aus aller Welt präsentierten dem Tribunal Fälle von Umweltzerstörung und schwersten Gesundheitsschäden. Das PPT begann am 27. Jahrestag der Bhopal-Katastrophe, die durch eine Explosion in einer Pestizidfabrik des Konzerns Union Carbide (heute Dow Chemicals) verursacht wurde. Die Heimatländer der verurteilten multinationalen Konzerne sind neben der Schweiz Deutschland und die USA. Der Internationale Währungsfond und die Weltbank haben der Jury zufolge im Rahmen ihrer Vergabepraxis die Einhaltung der Menschenrechte nicht ausreichend berücksichtigt. Die Welthandelsorganisation wurde schuldig gesprochen, eine unausgewogene Politik zu betreiben, indem sie das Recht auf geistiges Eigentum der Konzerne stärker betone als den Schutz vor Langzeitgefahren, die die Unternehmen selbst verursachen. Die Jury verurteilte in ihrer Abschlusserklärung die sechs Unternehmen, die den Weltmarkt für Pestizide und Saatgut dominieren, wegen schwerster Umwelt- und Gesundheitsschäden.
Unterschriften noch bis Ende Mai!!

Kampagne:
«Konzerne an die Leine: Recht ohne Grenzen!»
Wenn Schweizer Konzerne im Ausland gegen Menschenrechte und Umweltstandards verstossen, können sie hier dafür nicht zur Verantwortung gezogen werden.
Der Basler Appell gegen Gentechnologie unterstützt die Kampagne «Recht ohne Grenzen», die von rund 50 schweizerischen Organisationen getragen wird und damit mehr als eine Million engagierter Menschen in der Schweiz repräsentiert.
Wir fordern Bundesrat und Parlament auf, dafür zu sorgen, dass Firmen mit Sitz in der Schweiz die Menschenrechte und die Umwelt weltweit respektieren müssen.
Unterstützen auch Sie diese Kampagne mit Ihrer Unterschrift.